
BKO-Entwicklung
Die Entwicklung in Deutschland
Die Betriebskosten steigen und steigen. Allen Anstrengungen der Vermieter zum Trotz erreichen vor allem die Energiekosten und die kommunalen Gebühren immer neue Höhen. Daran wird auch der Preisrückgang für Öl in Folge der aktuellen Finanzmarktkrise nicht grundsätzliches ändern.
Im Jahr 2005 stiegen die Wohnnebenkosten um 7,2 %, im Jahr 2006 um 7,8 %. Im vergangenen Jahr schwächte sich der Preisanstieg bei den Wohnnebenkosten ab, lag mit 2,7 % aber immer noch über der allgemeinen Inflationsrate von 2,0 %.
Nimmt man den Zeitraum von 2002 bis 2007, so sind die Wohnnebenkosten um insgesamt 25,3 % und damit fast dreimal so schnell wie die allgemeine Inflation gestiegen. Die Nettokaltmieten haben im gleichen Zeitraum lediglich um 4,9 % zugelegt.
Auch der Mieterbund erwartet hohe Nachzahlungen
Auch der Deutsche Mieterbund erwartet für 2007 wegen der hohen Heizölpreise kräftige Nachzahlungen für Heizung und Warmwasser sowie höhere Kosten für 2008. Wie der DMB gegenüber der Bild Zeitung zum Ausdruck brachte, drohen je nach Wohnungsgröße Nachzahlungen von bis zu 360 Euro. Danach müssen Mieter mit folgenden Beträgen rechnen:

Mieterbund-Präsident Franz-Georg Rips sagte dem Blatt, die sogenannte zweite Miete werde "bald 40 Prozent und mehr der Gesamtmiete" ausmachen. Bisher seien es rund 33 Prozent gewesen.
Übrigens: Nach Auffassung des Mieterbundes sind 50 % aller Betriebskostenabrechnungen falsch.
In einer gemeinsamen Pressekonferenz wiesen der Deutsche Mieterbund und der Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) am 2. Juli 2008 in Berlin auch auf die soziale Dimension der steigenden Energiepreise hin. Sie forderten in diesem Zusammenhang weitere energetische Modernisierungen an den Gebäuden.
„Der Wohnungsbestand muss energetisch modernisiert werden. Es besteht nicht nur aus klima- und energiepolitischen, sondern auch aus sozialpolitischen Gründen dringender Handlungsbedarf. Die massive Steigerung der Energieeffizienz im Wohnungsbereich ist ohne Alternative. Wenn jetzt nichts passiert, wird angesichts rasant steigender Energiepreise ‚die warme Wohnung’ bald zum Luxusgut und die Heizkostenabrechnung unbezahlbar“, erklärte der Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB), Dr. Franz-Georg Rips
Folgende Zahlen teilte der Mieterbund in diesem Zusammenhang mit:
Zwischen den Jahren 2000 und 2007 sind die Gaspreise um 62,4 Prozent gestiegen. Heizöl verteuerte sich allein zwischen den Jahren 2004 und 2007 um rund 45 Prozent. Im ersten Halbjahr 2008 drehte sich die Energiepreisspirale immer schneller. Erdöl ist seit Anfang des Jahres rund 35 Prozent teurer geworden. In den letzten zwölf Monaten betrug der Preisanstieg 65 Prozent. Die Preise für Erdgas folgen. Durchschnittlich betrug der Preisanstieg dort 7,4 Prozent, einzelne Unternehmen erhöhten bis zu 24,8 Prozent. Weitere Erhöhungen sind nach der Einschätzung des DMB sicher. Die Versorger selbst reden von 20 bis 25 Prozent. Im Bundesumweltministerium wird über eine 40-prozentige Erhöhung spekuliert.
„Der Anstieg der Energiekosten führt unweigerlich zu drastisch höheren Heizkosten“, prognostizierte Rips. „Durchschnittlich haben die Mieter im Jahr 2006 schon 1,07 Euro pro Quadratmeter für Heizung und Warmwasser bezahlt. Für das Jahr 2008 muss man jetzt damit rechnen, dass der Preis auf 1,50 Euro und mehr klettert.“ Für eine 80 Quadratmeter große Wohnung müssten dann mindestens 1.440 Euro nur für Heizung und Warmwasser bezahlt werden. Gegen die Energiepreisexplosion und gegen immer weiter steigende Heizkosten helfe nur die energetische Modernisierung des Wohnungsbestandes“, erklärte der Mieterbund-Präsident. Nur mit hoher Energieeffizienz und zusätzlich einem starken Anteil erneuerbarer Energie können man die Preisspirale stoppen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren.“
Die von der Bundesregierung bzw. im Bundestag beschlossenen Klimapakete 1 und 2 wertete Rips allenfalls als erste Schritte in die richtige Richtung: „Kardinalfehler dieser Pakete ist, dass sie höhere Energiestandards und mehr Energieeffizienz praktisch nur für den Neubau festlegen. Im Wohnungsbestand bleibt dagegen weitgehend alles beim Alten. Gerade bei den 23 Millionen Wohnungen im Bestand sind aber Einsparpotenziale und Möglichkeiten zur Steigerung der Energieeffizienz am größten.“
Rips forderte deshalb die schrittweise Einführung eines Anteils an erneuerbaren Energien sowie die Übernahme der Regelungen der Energieeinsparverordnung auch im Wohnungsbestand. Dabei könnten Übergangsfristen geschaffen werden. Erforderlich sei auch eine Aufstockung der finanziellen Fördermittel, um Investitionsanreize für Vermieter zu schaffen und um die von Mietern zu zahlenden Modernisierungsmieterhöhungen zu begrenzen.
Die Entwicklung in Berlin
In Berlin sieht es nicht anders aus. Auf seiner Jahrespressekonferenz am 8. April berichtete der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) auch über die Entwicklung der Betriebskosten in der Stadt in den Jahren 2007/2008. Sie gibt Anlass zur Sorge, denn die Kosten dürften 2007 um bis zu sieben Prozent zulegen – trotz sparsamer Mieter und weiterhin steigender Modernisierungsinvestitionen der Wohnungsunternehmen und deutlich über der bundesweiten Entwicklung.
Bei den abgerechneten Betriebskosten je Quadratmeter Wohnfläche für das Jahr 2006 gab es im Schnitt nur einen geringen Anstieg von 1,5 %. Für das Abrechnungsjahr 2007 rechnet der Verband jedoch mit einem Anstieg um durchschnittlich bis zu sieben Prozent. Bei den Berliner BBU-Mitgliedsunternehmen werden die durchschnittlichen Betriebskosten je Quadratmeter dann etwa 2,24 Euro betragen. Ursache sind die steigende Grundsteuer sowie die Preisentwicklung bei Energie, Wasser und Abfall. Der Verbandsvorsitzende Burkardt forderte daher: „Die Politik muss endlich einen effektiven ordnungspolitischen Rahmen auf den Ver- und Entsorgungsmärkten durchsetzen, sonst wird vor allem Heizen bald unbezahlbar.“ Die Wohnungsunternehmen selbst versuchen, ihren Teil beizutragen, indem sie ihre Investitionen auf Maßnahmen zur Senkung der Betriebskosten konzentrieren.
Auf einer Tagung zum Thema "Betriebskostenmanagement: innovative Wege, die 'zweite Miete' zu reduzieren" am 11. Juni 2008 in Berlin wies der Technische Referent des BBU, Siegfried Rehberg, auf das Problem der „gefühlten Kostensteigerung“ hin. Das Betriebskostenmanagement der Wohnungsunternehmen sei sehr erfolgreich, weil es den Energiepreisanstieg abdämpfe, so Rehberg. Die öffentliche Diskussion angesichts der Lage auf den Energiemärkten zeige jedoch, dass die "gefühlten Betriebskosten" deutlich höher seien. Rehberg veranschaulichte dies am Beispiel Berlin. Die abgerechneten Wärmekosten waren dort 2007 rund sieben Prozent niedriger als 1995. "Im gleichen Zeitraum haben sich die Energiekosten, beispielsweise für Heizöl, teilweise mehr als verdreifacht", so Rehberg. Dies zeige den Erfolg der energetischen Sanierung der BBU-Mitgliedsunternehmen.
letzte Änderung am 24.11.2008
