
Die GSW
„Mein Berlin. Mein Zuhause.“ So lautet das introvertierte Motto der ehemals kommunalen GSW Immobilien GmbH, die 2004 vom Land Berlin an ein internationales Finanzkonsortium verkauft wurde. Sie bewirtschaftet heute rund 70.000 Wohnungen.
Geschichte
Die Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Berlin mbH wurde am 2. April 1924 durch die Stadt Berlin und den preußischen Staat als „Wohnungsfürsorgegesellschaft Berlin“ gegründet. Ihre Aufgabe war zunächst die Verteilung von Neubauförderungsmitteln an gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften und Privatunternehmen in Berlin. Diese Aufgabe wurde 1935 auf die Wohnungsbaukreditanstalt (WBK), die heutige Investitionsbank Berlin (IBB), übertragen. Eigene Gebäude errichtete die GSW bis dahin nicht.
Zum 1. Januar 1937 wurden im Zuge der Zentralisierung der Wohnungswirtschaft im 3. Reich acht bis dahin selbständige kommunale Wohnungsbaugesellschaften und die GSW mit zusammen gut 37.000 Wohnungen zusammengeschlossen. Bis 1941 wuchs der Bestand auf über 50.000 Wohnungen an.
Nach Kriegsende 1945 waren davon über 11.000 total zerstört, ebenso die Hauptverwaltung und ein großer Teil des Schriftgutes. Der Rest der Immobilien, ebenso wie viele Infrastruktureinrichtungen, war stark beschädigt.
Von 1946 bis 1980 gehörte die Stadt und Land zur GSW.
Durch die Teilung der Stadt gingen Ende 1948 rund 1/4 der Wohnungen im Ostteil für die GSW für die kommenden 45 Jahre verloren.
In den folgenden Jahren widmete sich das Unternehmen dem Neu- und Wiederaufbau im Westteil Berlins. 1989 überschritt die Anzahl der Wohnungen wieder die Grenze von 50.000. Nach der Wende wurden die ca. 18.000 Wohnungen im Ostteil der Stadt, die der GSW bis zur Teilung gehörten, wieder in den Bestand integriert.
Im Jahr 2004 wurde die GSW für 405 Mio. € an ein Konsortium der internationalen Finanzinvestoren Whitehall (Goldmann & Sachs) und Cerberus verkauft. Sie soll jetzt auch über die Stadtgrenzen Berlins hinaus tätig werden.
Vorstand
Die 450 Mitarbeiter der GSW werden von einer dreiköpfigen Geschäftsführung geführt. Neben Thomas Zinnöcker, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, ist Jörg Schwagenscheidt für das operative Geschäft zuständig. Mit Wirkung zum 1. März 2008 wurde Andreas Segal zum dritten Geschäftsführer der GSW Immobilien GmbH ernannt, der den kaufmännischen Bereich leitet.
Aktuelle Situation, Ausblick
Kaum Informationen bekommt man bei der GSW zur aktuellen wirtschaftlichen Situation und zum Ausblick auf das kommende Jahr. Zahlen, Planungen oder gar einen Jahresabschluss werden auf der Internetseite der Gesellschaft nicht zur Verfügung gestellt. Diese Form der Intransparenz zur aktuellen Situation, die in einem auffälligen Kontrast zur sehr umfassenden Darstellung der Unternehmensgeschichte steht, dürfte eine Folge der Privatisierung sein. Die Eigentümer wollen sich nicht in die Karten sehen lassen.
Lediglich in einer dünnen Pressemitteilung vom 12. Februar 2008 werden einige Fakten auf den Tisch gelegt:
Zum Jahresende 2007 bewirtschaftete das Unternehmen 52.800 eigene Wohnungen und betreute in Tochtergesellschaften weitere 25.000 Wohnungen für Dritte.
Insgesamt investierte das Unternehmen im Jahr 2007 mehr als 175 Millionen Euro in den Berliner Wohnungsmarkt, von denen 110 Millionen Euro in den Erwerb von 2.200 Wohnungen flossen. Damit wurde das ursprünglich für 2007 avisierte Ziel von 2.000 Wohnungszukäufen übertroffen. In den letzten vier Jahren hat die GSW damit nahezu 400 Millionen Euro in Akquisitionen sowie in die Pflege und Aufwertung des eigenen Bestandes investiert.
Die durchschnittliche Nettokaltmiete lag per 31.12.2007 mit 4,58 Euro pro Quadratmeter zwar vier Prozent höher als im Vorjahr, aber dennoch unterhalb der Miete des durchschnittlichen Berliner Mietspiegels von 4,75 Euro. Die Mietsteigerung setzte sich zum einen aus der Anpassung der Mieten an das Marktniveau und zum anderen aus höheren Mieten aufgrund gezielter Modernisierungsinvestitionen zusammen.
Neben der Bewirtschaftung bietet die GSW ihren Mietern, Eigennutzern und privaten Kapitalanlegern auf Wunsch den Erwerb von Wohnungen in ausgewählten Wohnanlagen an. So konnte das Unternehmen am Jahresende auf 450 Wohnungsverkäufe zurückblicken.
GSW Wohnungsmarktreport
Seit März 2007 gibt die GSW gemeinsam mit dem internationalen Immobilienberater Jones Lang LaSalle den Wohnungsmarktreport heraus, der über die Website der GSW bezogen werden kann. Am 29.09.2008 wurde die vierte Ausgabe vorgestellt, die über die Webseite der GSW kostenlos bezogen werden kann. Sie steht dort als PDF zum Herunterladen zur Verfügung. Näheres dazu auch in unserem Bereich „Wohnungsmarkt“.
Mehr unter www.gsw.de
letzte Änderung am 01.10.2008
