
Institut für soziale Stadtentwicklung
Zurück in die Innenstadt?
http://www.berliner-mieterverein.de/presse/pressearchiv/zurueck_in_die_stadt_230708.pdf
Seit Jahren zieht es die Berliner aus der Stadt. Vor allem die Familien verlassen die Innenstadtbezirke und ziehen in die Peripherie, wo es grüner, ruhiger, sicherer und biederer ist.
Seit einiger Zeit heißt es nun, die Abwanderung in den Speckgürtel sei gestoppt, die Innenstadtgebiete blühten wieder auf. Ist dies eine zutreffende Beschreibung der Berliner Wirklichkeit oder handelt es sich vielleicht nur um Parolen von Maklern und Projektentwicklern, die ihre Angebote schmackhaft machen wollen?
Der Berliner Mieterverein wollte es genau wissen und hat das Institut für soziale Stadtentwicklung damit beauftragt, den postulierten Trend des „Zurück in die Stadt“ genau zu untersuchen. Die Untersuchung liegt jetzt vor und kann unter dem angegebenen Link kostenfrei eingesehen und als pdf heruntergeladen werden.
Im Ergebnis kommt das Institut zu einer weiterhin skeptischen Einschätzung. Das Ergebnis aus den Zu- und Fortzügen zwischen Berlin und seinem Umland sei anhaltend negativ. Lediglich die Gruppe der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 35 Jahren stärke Berlin und seine Innenstadtgebiete. Dies seien vor allem junge Westdeutsche und die geburtenstarken Jahrgänge in der DDR zwischen 1975 und 1985, die die preiswerte Lebenshaltung in der Hauptstadt schätzten. Ein Trend, das auch Familien oder Senioren zurück in die Stadt zögen, sei dagegen nicht erkennbar. Deshalb seien auch nicht die Innenstadtbezirke, sondern die Randbezirke wie Treptow/Köpenick, Reinickendorf und Zehlendorf die Gewinner der Wanderungsbewegungen. Auch verlöre Berlin weiterhin Menschen an den engeren Verflechtungsraum (9.000 in 2006), wenn auch weniger als früher. Dies sei allerdings die vorhersehbare Abschwächung einer Nachholbewegung nach der Wende. Weiterhin gäbe es gleichermaßen prostädtische wie gegenläufige Kräfte.
Das Ziel, das der Berliner Mieterverein mit der Vorlage dieses Berichtes verfolgt, formuliert er daher selbst so: „Trendbeschwörung darf kein Ersatz für aktive Stadtentwicklungspolitik sein.“
letzte Änderung: 22.10.2008
