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Sozialstrukturatlas 2008

Der Sozialstrukturatlas Berlin ist seit 2003 eine wichtige sozialräumlichen Analyse im Rahmen der Berliner Gesundheits- und Sozialberichterstattung im Auftrag des Berliner Senats. Damit liegt jeweils eine umfangreiche aktuelle Sozialraumanalyse für Berlin vor. Ende März 2009 wurde durch die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz der über 500 Seiten starke Sozialstrukturatlas 2008 vorgelegt.

Der Sozialstrukturatlas 2008 kann als Druckexemplar für 15 € bestellt oder von folgender Webseite heruntergeladen werden:

http://www.berlin.de/sen/statistik/gessoz/gesundheit/spezial.html

Insgesamt ist die soziale und wirtschaftliche Situation in den vergangenen fünf Jahren schlechter geworden. »Vieles ist eingetreten, was wir befürchtet haben«, sagte Senatorin Knake-Werner. »Einen großen Anteil daran haben die Hartz-IV-Gesetze«, so die Senatorin. Insgesamt schreitet die Verarmung voran.

»Berlin stellt sich sehr differenziert dar«, erläuterte nach einem Bericht der TAZ Gerhard Meinlschmidt von der Senatsgesundheitsverwaltung. Der Professor erarbeitete den Sozialstrukturatlas und ist Leiter des Referats an der Berlin School of Public Health der Charité. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist empirische Wirtschafts- und Sozialforschung. »Die Ergebnisse der Untersuchungen sind Grundlage für den Senat, um den schlechter gestellten Menschen zu helfen, wegen geringen Einkommens nicht abzurutschen«, sagte er.

Am weitesten abgerutscht ist Marzahn-Hellersdorf. Im Vergleich zu 2003 stieg der Bezirk um vier Plätze ab. Seither haben die Bewohner des Bezirks den berlinweit höchsten Verlust an Einkommen verzeichnet und es ist eine Hochburg von Hartz-IV-Empfängern entstanden. Besonders betroffen sind dort Kinder, weil viele alleinerziehende Mütter in der einwohnerstärksten Großsiedlung Europas leben. Die sozialen Probleme in Berlin konzentrieren sich also auf innerstädtische Brennpunkte wie Neukölln oder Mitte und verschärfen sich in Randbezirken wie Marzahn-Hellersdorf.

Rund 75 Prozent der Kinder in sozialen Brennpunkten wie dem Rollbergviertel von  Neukölln oder dem Wassertorplatz in  Friedrichshain-Kreuzberg lebten in einem Hartz-IV-Haushalt. In Berlin sind es 37,4 Prozent: 700 000 Erwachsene  mit 179 000 Kindern  sind auf staatliche Sozialleistungen angewiesen. „Die Kinderarmut bleibt ein zentrales Problem“, sagte Knake-Werner. Die Regelsätze nach Hartz-IV seien viel zu niedrig. Berlin versucht das im Bundesrat zu ändern.

Wer wenig verdient, stirbt früher und wird häufiger krank. Männer aus Friedrichshain-Kreuzberg sterben vier Jahre früher als Bewohner von Charlottenburg-Wilmersdorf. Höhere Säuglingssterblichkeit sowie Übergewicht und schlechte Zähne sind bei Kindern in Problembezirken weiter verbreitet als anderswo. Reguläre Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge erreichten diese Familien oft nicht. Deshalb gehe der Senat mit speziellen Programmen, zum Beispiel zur Kariesvorbeugung, in die Quartiere hinein.

Den höchsten Sprung nach oben machte Pankow. Auf den hinteren Plätzen liegen weiterhin die Bezirke Mitte mit Wedding und Tiergarten sowie Neukölln. Am besten geht es laut Sozialstrukturatlas den Bewohnern von Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf. Alles keine Überraschungen.

Vor der Finanzkrise habe Berlin eine positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt mit leichtem Rückgang der Arbeitslosigkeit erlebt. Negative Auswirkungen haben der Untersuchung zufolge solche Bundesgesetze wie Gesundheitsreform und Zuzahlungsregelung. So werde ein Zwei-Klassen-System geschaffen. Vor allem alte Menschen und Familien mit Kindern lebten oft am Rande des Existenzminimums. Inzwischen gebe es in jedem Bezirk soziale Brennpunkte.

Das Einkommen der Berliner liegt im Durchschnitt bei 900 Euro und damit im Vergleich zu anderen Städten niedrig. Allerdings sind die Mieten hier auch geringer.

Die beste Gegend liegt an der Krummen Lanke in Zehlendorf, Problemkiez Nr. 1 ist das Rollbergviertel in Neukölln. Die Arbeitslosenquote variiert zwischen 2,2 Prozent in der Gegend um die Thielallee in Zehlendorf und 25,5 Prozent in Hellersdorf. Die meisten Ausländer oder Menschen mit ausländischer Herkunft leben in Mitte (45 Prozent). Um die Reinickendorfer Straße in Wedding sind es 67 Prozent.

Einen ausführlichen Zeitungsbericht finden Sie z.B. n der Berliner Morgenpost mit folgendem Link:

http://www.morgenpost.de/berlin/article1065762/Wo_es_den_Berlinern_gut_geht_und_wo_nicht.html

letzte Änderung am 02.04.2009