Zur Lage der Senioren
Wie in den meisten anderen Regionen Deutschlands steigt auch in Berlin die Zahl der Senioren. Wegen der Zahlen verweisen wir insoweit auf unseren Beitrag zum Thema „Demografie“. Neben der energetischen Modernisierung ist die Anpassung der Bestände und der Dienstleistungen an diese demographische Entwicklung eines der derzeitigen Hauptthemen der Wohnungswirtschaft.
Wie dies geschieht, hängt auch von ihrer wirtschaftlichen Lage ab, denn auch diese Investitionen müssen sich refinanzieren. Die wirtschaftliche Lage der Senioren dürfte in den kommenden Jahren nicht besser werden. Die letzten Jahre brachten stagnierende Rentenbezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise wird das nicht verbessern. Damit werden bereits heute die Renten real gesenkt. Der weitere absolute und relative Anstieg der Anzahl der Senioren ist unabwendbar, da diese Personen bereits alle in Deutschland leben. Da zugleich die Zahl der Beitragszahler sinkt, wird das Verhältnis von Einzahlern zu Empfängern immer schlechter. Zum Ausgleich bleiben nur eine Erhöhung der Beiträge, eine Erhöhung des Bundeszuschusses oder eine Absenkung der Bezüge der Rentner.
Zum Ausgleich der zu erwartenden Verringerung der gesetzlichen Altersrente Einschnitte wurden bereits subventionierte kapitalgedeckte Systeme (Riester-Rente) eingeführt, in die von der Bevölkerung zusätzlich zur gesetzlichen Rente eingezahlt werden soll. Diese Möglichkeit wird bisher aber nur von einem Teil der Bevölkerung wahrgenommen. Da in den vergangenen Jahren auch die Lohn- und Gehaltsempfänger reale Einbußen hinnehmen mußten, werden die Renten auch aus diesem Grund in den kommenden Jahren weiter sinken. Die aktuelle Erhöhung kann daran nichts grundlegendes ändern.
Die wirtschaftliche Lage der Senioren in Berlin
Wie die wirtschaftliche Lage der Senioren in Berlin ist, wollte die Abgeordnete der Grünen im Abgeordnetenhaus Jasenka Villbrandt im Rahmen einer kleinen Anfrage vom Berliner Senat wissen.
Die Feststellungen lassen sich wie folgt kurz zusammenfassen:
Die Über-75-Jährigen haben mit 1.300 € das höchste mittlere Pro-Kopf-Einkommen aller Altersgruppen (beginnend bei unter 15 Jahren). Alle Altersgruppen über 60 Jahre liegen über dem mittleren Berliner Pro-Kopf- Einkommen von 900 €.
Die Einkünfte der Frauen sind niedriger als die der Männer in der gleichen Altersgruppe. So beträgt der Anteil der Männer in der Einkommensklasse über 1.500 € 35 %, der der Frauen nur 19 %. Mit einem Einkommen unterhalb des mittleren Pro-Kopf-Einkommens von 900 € mussten 2006 rund
184.000 Frauen und rund 66.000 Männer auskommen.
Der Anteil der Ausländer in der Gruppe mit einem Nettoeinkommen unter 900 € ist mit knapp 60 % wesentlich größer ist als in der Altersklasse insgesamt (mit 31 %).
Zusammenfassung:
Soweit die soziale Situation durch die Einkommenssituation determiniert ist, kann davon ausgegangen werden, dass es älteren Menschen in Berlin sozial relativ gut geht, den Männern allerdings besser als den Frauen und den Deutschen besser als den Nichtdeutschen. Berlin wird sich aber von der allgemeinen Entwicklung nicht abkoppeln können. Ganz im Gegenteil werden wegen des niedrigen Lohnniveaus in der Stadt auch die Rentner nur über geringe Einnahmen verfügen.
Seniorenwohnen
Gut 40 % der heutigen Ruhestandshaushalte verfügen über ein Einkommen von weniger als 1.300 € pro Monat. Dies hat Konsequenzen. Gut ein Viertel der Rentnerhaushalte muss schon heute mehr als 35 % des Einkommens für die Miete aufwenden. Der Anteil der gesamten Wohnkosten liegt schon heute im Durchschnitt aller Ruhestandshaushalte bei etwa 30 % des Nettoeinkommen. Er erreicht bei Haushalten mit niedrigen Renten auch über 50 %.
Wie oben geschildert werden die gesetzlichen Renten zukünftig nicht steigen, sondern tendenziell eher sinken. Gerade ärmere Haushalte werden nicht in der Lage sein, dies mit kapitalgedeckten Alternativen auszugleichen. Hartz IV-Bezieher müssen ihr Vermögen versilbern, bevor sie staatliche Leistungen erhalten. Damit treffen in Zukunft sinkende Alterseinkommen auf steigende Wohnkosten
Welche Konsequenzen dies hat, wurde vom Eduard Pestel Institut in der Studie „Sozialpolitische Implikationen geringer Wohnungsbautätigkeit“ untersucht, die im Juni 2009 erschienen ist. Sie finden Sie im Internet mit folgendem Link:
http://www.impulse-fuer-den-wohnungsbau.de/w/files/studien-etc/pestel-institut_sozialpolitische-implikationen-geringer-wohnungsbautaetigkeit.pdf
Ein wesentliches Ziel wird die möglichst lange Aufrechterhaltung eines selbstbestimmten Lebens in der eigenen Wohnung. Dies dürfte dem ganz überwiegenden Wunsch der Senioren entsprechen. Dieses Ziel hat aber auch eine ökonomische Dimension, da die stationäre Pflege in Heimen erheblich teurer ist als die ambulante Pflege zu Hause. Von den 2,13 Mio. Pflegedürftigen (Stand 2005) wurden 0,677 Mio. (32 %) stationär in Heimen versorgt. Ein Grund für die stationäre Pflege ist häufig die nicht barrierefreie Wohnung, die eine ambulante Versorgung in der eigenen Wohnung verhindert. Schätzungen gehen nach Angabe des Pestel-Instituts davon aus, dass die Zahl der seniorengerechten Wohnungen gegenwärtig in einer Größenordnung von 1 % der Wohnungsbestandes, also bei rund 400.000 Wohnungen liegt. Dagegen liegt der Anteil der über 70-Jährigen bereits heute bei über 14 %. Auch wenn von denen nicht jeder pflegebedürftig ist, so ist doch eine angepasste Wohnung für jeden Älteren eine Erleichterung des Alltags. Es gibt also noch viel zu tun.
zuletzt geändert am 03.07.2009
