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Monitoring soziale Stadtentwicklung


Alle zwei Jahre wurde seit 1999 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das „Monitoring Soziale Stadtentwicklung“ erstellt – nicht zu verwechseln mit dem Sozialstrukturatlas der Gesundheitsverwaltung. Seit 2007 konnte der Takt erstmals auf ein Jahr verkürzt werden.

Die umfangreiche soziologische Untersuchung ist ein „Frühwarnsystem“ zur Quartiersentwicklung. Es ist eine wesentliche Grundlage der Berliner Stadtentwicklungspolitik. So werden auf dieser Basis öffentliche Finanzmittel, z. B. die des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“, in Gebiete mit besonderem Handlungsbedarf gelenkt. Ziel des Monitoring Soziale Stadtentwicklung ist es, mit einem statistischen Indikatorensystem soziokulturelle Veränderung in Teilgebieten der Stadt und den verschiedenen Quartieren Berlins wissenschaftlich zu beschreiben und zu analysieren.

Als Reaktion auf das erste Monitoring waren 1999 in zunächst 15 Gebieten Quartiersmanager eingesetzt worden, nach der Fortschreibung im Jahr 2004 wurde das Quartiersmanagement auf 33 Stadtteile ausgedehnt.

Berlin wurde beim Monitoring zunächst in 319 (später 338) Verkehrszellen eingeteilt. Die Ergebnisse einzelner Teilräume führen zu einer Einordnung in vier Gruppen, wobei Gruppe 1 die beste Entwicklung zeigt, Gruppe 4 die schlechtesten Kennzahlen aufweist. Seit 2009 werden 447 Quartiere (LOR, Lebensweltlich orientierte Räume) betrachtet. Ein Planungsraum hat durchschnittlich 7.500 Einwohner. Zum anderen wird seit 2009 der zuvor verwendete Indikator „Ausländische Kinder und Jugendliche“ ersetzt durch „Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund“.

Bei den Daten wird seit 2007 zwischen Indikatoren, die die soziale Lage in einem Quartier beschreiben ("Status") und Indikatoren, die den Wandel der Bevölkerung des Gebietes im abgelaufenen Jahr charakterisieren sollen ("Dynamik") unterschieden. Zu den Status-Indikatoren zählen Daten zur Arbeitslosigkeit, Transferbezug und zum Migrationshintergrund; zu den Dynamik-Indikatoren Daten zur Mobilität (selektive Wanderungen) und zu den Veränderungen einzelner Status-Indikatoren. Aus den sechs Status- und den sechs Dynamik-Indikatoren wird im gestuften Berechnungsverfahren zunächst jeweils ein Status- und ein Dynamik-Index gebildet. In einem nächsten Schritt wird aus Status- und Dynamik-Index in einem Verhältnis von 3:2 der Entwicklungsindex berechnet. Der Entwicklungsindex bildet die soziale Problematik im Gebiet als Wert ab: je höher der Wert, desto höher die soziale Problematik. Entsprechend der ermittelten Rangfolge der Gebiete werden vier Gruppen zusammengefasst: hoher (oberste 20%), mittlerer (60%), niedriger (vorletzte 10%) und sehr niedriger Entwicklungsindex (letzte 10%). In Gebieten mit einem sehr niedrigen Entwicklungsindex besteht nach diesen - quantitativen - Befunden stadtentwicklungspolitischer Interventionsbedarf, in Gebieten mit einem niedrigen Entwicklungsindex besteht Interventions- und Präventionsbedarf. Zur konkreten Festlegung von Maßnahmen in den einzelnen Gebieten sind in Ergänzung zur quantitativen Analyse vertiefende und insbesondere qualitative Betrachtungen erforderlich.

Monitoring 2007
Das Monitoring Soziale Stadterneuerung 2007 wertet die soziostrukturellen Daten des Zeitraumes von Ende 2005 bis Ende 2006 aus. Gegenüber den vorherigen Erhebungen mussten aber neue Kriterien erarbeitet werden, denn durch die zwischenzeitlich in Kraft getretenen Hartz-Gesetze haben sich die Arbeitslosen- und Sozialhilfestatistiken verändert. Aus den Faktoren Arbeitslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Bezug von Transfereinkommen und dem Anteil ausländischer Kinder und Jugendlicher wurde der aktuelle soziale „Status“ der Gebiete ermittelt. Von den Faktoren Wanderungsvolumen, Wanderungssaldo sowie Zu- und Abnahme von Transfereinkommensbeziehern wurde die „Dynamik“ eines Viertels abgelesen. Aus Status und Dynamik wurde schließlich der Entwicklungsindikator errechnet, der zusammenfassend die soziale Lage und den Auf- oder Abwärtstrend eines jeden Viertels anzeigen soll und somit auch als „Frühwarnsystem“ dienen kann. Ein „sehr niedriger“ oder „niedriger“ Entwicklungsindikator (in der Karte rot beziehungsweise orange) bedeutet also eine schlechte soziale Lage mit Abwärtstendenz, „mittel“ (blau) kennzeichnet einen allgemein stabilen Durchschnitt, „hoch/sehr hoch“ (grün) bezeichnet einen relativ hohen Wohlstand mit Tendenz nach oben.

Das Ergebnis der Studie ist alarmierend: Die sich seit Jahren abzeichnende Spaltung der Stadt in arme und reiche Viertel verschärft sich zusehends. Während sich in den sozial problematischen Stadtteilen die Lage weiter verschlimmert, nimmt in den „besseren“ Vierteln der Wohlstand zu.

Im Monitoring 2007 hat eine Gruppe von Wissenschaftlern um den Stadtsoziologen Hartmut Häußermann von der Humboldt-Universität jedes Stadtviertel analysiert. Untersucht wurden die Arbeitslosigkeit verschiedener Bevölkerungsgruppen, der Ausländeranteil, das Umzugsverhalten und weitere Faktoren, die Rückschlüsse auf die soziale Lage in den Stadtteilen und deren weitere Entwicklung zulassen.

Im Ergebnis stellen die Forscher eine „Polarisierung der Quartiersentwicklung“ fest: In Stadtvierteln, die schon bisher wenig soziale Probleme haben, gehen diese weiter zurück – wo die Probleme aber dicht an dicht sind, verschärft sich die Situation weiter: Von den 319 untersuchten Gebieten, den sogenannten „Verkehrszellen“, weisen rund 60 Prozent einen mittleren sozialen Status auf und sind in ihrer Entwicklung weitgehend stabil. Dagegen lassen sich bei den oberen und unteren 20 Prozent „bedenkliche Entwicklungen“ beobachten: Von den 64 Stadtgebieten mit einem hohen sozialen Status geht in 39 Gebieten der Wohlstand weiter nach oben, während in keinem der 64 Gebiete mit einem niedrigen oder sehr niedrigen sozialen Status eine positive Entwicklung feststellbar ist. Die Entwicklung in 39 der 64 schwächsten Stadtviertel verläuft sogar noch weiter abwärts.

Alarmierend sind auch die Zahlen zur Kinderarmut: 38,5 Prozent aller Kinder in Berlin leben in Haushalten, die sich mit irgendeiner Form von existenzsichernden Transferleistungen über Wasser halten müssen. Beunruhigend ist dem Monitoring zufolge die hohe Konzentration dieser in Armut aufwachsenden Kinder auf wenige Stadtteile. Vor allem in den innerstädtischen Bereichen (Kreuzberg, Moabit, Wedding, Neukölln) gibt es Gebiete mit hohen Kinderzahlen und zugleich großen sozialen Verwerfungen, während Quartiere am Stadtrand mit ähnlich hohen Kinderzahlen nur geringe soziale Probleme aufweisen.

Das Monitoring 2007 hat aber auch eine positive Entwicklung festgestellt: Die Arbeitslosigkeit, die auf die soziale Situation in den Quartieren den größten Einfluss hat, ist in ganz Berlin gesunken. Das gilt auch für fast alle Gebiete mit einem geringen sozialen Status, in denen aber nach wie vor überdurchschnittlich viele Arbeitslose wohnen.

Schaut man sich die Quartiere im Einzelnen an, so erkennt man einige bemerkenswerte Veränderungen. In
Kreuzberg, das in den bisherigen Sozialstudien immer das Schlusslicht war, nimmt die hohe Problemkonzentration in einigen Quartieren inzwischen deutlich ab. Wedding, Neukölln und Moabit haben mittlerweile Kreuzberg als Gebiet mit den größten Problemen abgelöst. Die Entwicklung in diesen Innenstadtbereichen hatte sich schon in den vorigen Untersuchungen abgezeichnet und konnte offensichtlich auch nicht durch die bisherigen Interventionsversuche aufgehalten werden.

Als besorgniserregend bezeichnet das Monitoring die seit mehreren Jahren zu beobachtende Verschlechterung der Situation in den östlichen
Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf. In den Plattenbaubezirken ist die soziale Mischung verloren gegangen. Der Mythos, dass hier der Universitätsprofessor und der Facharbeiter Tür an Tür wohnen, ist längst Vergangenheit, wenn er überhaupt je stimmte. Für viele Gebiete im Bezirk Marzahn-Hellersdorf wurde erstmals ein akuter Interventionsbedarf festgestellt. In den Großsiedlungen hat sich ganz allgemein die Lage verschlechtert – im Osten wie im Westen.

Wachsende Probleme wurden auch in einigen Bereichen am Innenstadtrand diagnostiziert, wie etwa in Britz, im nördlichen Wedding und im südlichen Reinickendorf. Problematisch wird auch die Entwicklung in
Spandau eingeschätzt, wo sich sowohl in den Altbaubereichen als auch in den Großsiedlungen weiterhin die sozialen Probleme häufen.

Verbesserungen waren hingegen in
Friedrichshain, Prenzlauer Berg und in Teilen von Oberschöneweide zu beobachten, wo Arbeitslosigkeit und der Bezug von Transferleistungen zurückgegangen sind.

Weitere Einzelheiten zu den Quartieren können Sie der Webseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung entnehmen. Sie finden die Berichterstattung zum Monitoring soziale Stadtentwicklung mit folgendem Link:

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/basisdaten_stadtentwicklung/monitoring/

Die Autoren der Studie mahnen eine gesamtstädtische Strategie an, mit der die soziale Situation vieler Haushalte verbessert wird und der Konzentration sozialer Probleme in bestimmten Stadtteilen entgegengewirkt werden kann.
Die Bemühungen des Quartiersmanagements hätten zwar bisher nicht dazu geführt, dass in allen problematischen Quartieren die Abwärtsspirale gestoppt oder gar umgekehrt werden konnte. Durchschlagende kurzfristige Erfolge hätte man ohnehin nicht erwartet.

Bei der zukünftigen Quartierspolitik müssten die Familien-, Jugend- und Bildungspolitik absoluten Vorrang haben. Um die Chancengleichheit an den Schulen kurzfristig zu verbessern, schlägt Hartmut Häußermann außerdem ein „Bussing“-System vor, wie es etwa in den USA seit Jahrzehnten üblich ist. Mit Schulbussen sollen Kinder aus benachteiligten Quartieren in andere Viertel gebracht werden, weil Migrantenkinder besser lernen, wenn sie in den Klassen nicht die Mehrheit stellen. Das soll auch die Eltern von Kindern davon abhalten, allein wegen der Schulsituation in „bessere“ Quartiere umzuziehen.

Die Senatsverwaltung sieht durch das Monitoring ihre bisherige Quartierspolitik bestätigt. „Das Monitoring hat uns gezeigt, dass wir mit dem Quartiersmanagement richtig liegen“, erklärt Manuela Damianakis, Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung. „Wo es statistische Alarmzeichen gibt, werden wir verstärkt aktiv.“ So wolle man in den Großsiedlungen die Lage noch detaillierter analysieren und zusammen mit dem jeweiligen Bezirk erörtern, welche Verfahren dort angewendet werden können. Generell werde man sich in den Quartieren kaum noch um Baumaßnahmen, sondern vor allem um Bildung und die Verbesserung der Lebensperspektiven kümmern. „Wir werden viel mehr in Köpfe investieren und nicht mehr in Beton“, so Manuela Damianakis.

Monitoring 2008

Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, gemeinsam mit Prof. Axel Werwatz von der Technischen Universität Berlin am 12.02.2008 das aktuelle Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2008 vor. Die Zahlenbasis bezieht sich auf den 31.12.2007.

Senatorin Junge-Reyer: „Mit Hilfe des Monitoring sehen wir präzise, wo sich in der Stadt kritische Entwicklungen andeuten und wo sich Verbesserungen der Lebenssituationen nachweisen lassen. Die erfreulichste Botschaft ist: Die für ganz Berlin positive wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2007 kam auch in den sozial schwächeren Gebieten an. Insbesondere konnte in den Kiezen mit Quartiersmanagement eine Abkopplung vom Aufschwung verhindert werden. Auch in diesen Gebieten ging die Arbeitslosigkeit zurück, sank die Zahl der Hilfsempfänger und war die Jugendarbeitslosigkeit geringer. Das Monitoring 2008 zeigt uns, dass wir die richtigen Orte ausgewählt haben, um mit Quartiersmanagement ausgewählte Kieze zu stärken. Zugleich sehen wir aber auch, dass sich in fünf Gebieten der Stadt die Probleme räumlich ballen. In Wedding / Moabit, Nord-Neukölln, im Norden Kreuzbergs, Marzahn-Hellersdorf und auch in Teilen Spandaus gibt es offenbar in großen zusammenhängenden Gebieten eine räumliche Konzentration von sozialen Problemen.“

Die Autoren des Monitoring um Prof. Häußermann von der Humboldt-Universität empfehlen, die Situation quartiersübergreifend in einer Strategie „Vorranggebiete Zukunftssicherung“ zu verbessern. Dies soll zum Beispiel in den beiden Gebieten Wedding / Moabit und Nord-Neukölln durchgeführt werden. In den beiden innerstädtischen Gebieten leben jeweils mehr als 150.000 Einwohner, insgesamt 10 % der Berliner Bevölkerung. Der Altersdurchschnitt ist relativ niedrig, 13,4 % von allen unter 18-jährigen in Berlin wohnen dort. Davon haben 77,5 % einen Migrationshintergrund.

In die fünf großen Gebiete sind bereits im vergangenen Jahr Mittel in Höhe von 32 Mio. € aus den Programmen der Städtebauförderung geflossen. In diesem Jahr werden die Anstrengungen nochmals erheblich verstärkt und aus den Programmen fließen Gelder i. H. von 50 Mio. €. insbesondere nach Moabit, Wedding, Nord-Neukölln, Marzahn-Hellersdorf und ins westliche Spandau. Der Senat wird u.a. Mittel der Städtebauförderung in diese Gebiete leiten. Außerdem werden integrierte Stadtteilverfahren, energetische Sanierungsmaßnahmen sowie Mittel der Städtebauförderung eingesetzt, um die Großsiedlungen, wie z.B. das Märkische Viertel, zu stabilisieren und weiterzuentwickeln.

Die Kurzfassung des Gutachtens Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2008, die Karten sowie die tabellarische Übersicht über alle 319 Berliner Teilräume und ihre jeweilige Bewertung finden Sie im Internet unter:

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/basisdaten_stadtentwicklung/monitoring/de/2008/

In der Langfassung liegt der Bericht mittlerweile auch vor.

Zur genaueren Analyse der einzelnen Wohnungsbestände kann der adressenscharf arbeitende FIS-Broker der Senatsverwaltung genutzt werden. Über den FIS-Broker sind Geodaten, also Karten, Pläne und andere Daten mit Raumbezug erreichbar. Auch alle Angaben zum Monitoring Soziale Stadtentwicklung sind enthalten. Der FIS-Broker läuft ganz einfach in Browser. Die URL lautet:

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/geoinformation/fis-broker/

Monitoring 2009
Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, gemeinsam mit Prof. Dr. Hartmut Häussermann am 20.01.2010 das aktuelle Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2009 vor (Datenstand 31.12.2008).

Senatorin Junge-Reyer: „Auch das aktuelle Monitoring zeigt uns durch Erhebung umfangreicher Daten, dass wir mit dem Einsatz der Instrumente der „Sozialen Stadtentwicklung“ wie Quartiersmanagement oder Städtebauförderung richtig liegen. Auch wenn wir bundesweite, volkswirtschaftliche Trends wie steigende Arbeitslosigkeit oder Konjunkturschwäche nicht verhindern können, sehen wir deutlich, dass durch den Einsatz unserer Instrumente Berlin auch in den schwächeren Kiezen stabilisiert wird. Durch das Monitoring wissen wir, wohin wir unsere finanziellen Mittel vorrangig lenken müssen, und wir registrieren, wie dieser Mitteleinsatz langfristig seine Wirkung entfaltet.“

Senatorin Junge-Reyer: „Mit Hilfe des Monitoring sehen wir präzise, wo sich in der Stadt kritische Entwicklungen abzeichnen und wo sich Verbesserungen der Lebenssituationen nachweisen lassen. Die erfreulichste Botschaft ist: Viele sozial problematische Gebiete haben sich nicht von der gesamtstädtischen positiven Entwicklung des Jahres 2008 abgekoppelt. So hat z. B. in den schwächeren innerstädtischen Gebieten die Jugendarbeitslosigkeit und die Langzeitarbeitslosigkeit abgenommen. Auch in den 43 schwächsten Kiezen der Stadt sank der Anteil der Arbeitslosen von durchschnittlich 17,3 % im Vorjahr auf 15,8 % im Untersuchungszeitraum. Das Monitoring zeigt auch, dass wir in den richtigen Gebieten tätig sind. Die laufenden Quartiersverfahren werden genau dort benötigt, wo wir sie durchführen.“

Trotz der Umstellung der räumlichen Ebene von den 338 Verkehrszellen auf die 447 Planungsräume ähneln die Ergebnisse des Monitoring 2009 denen aus 2008: Beim Entwicklungsindex wird eine starke räumliche Konzentration der Planungsräume mit "sehr niedrigem Entwicklungsindex" erkennbar. Die westlichen Innenstadtgebiete stellen, wie in der Vergangenheit auch, die problematischsten Gebietstypen Berlins dar. Räumliche Konzentrationen liegen in Neukölln-Nord, Wedding, Moabit und Kreuzberg-Nord vor. Am Stadtrand haben sich in den Großsiedlungsgebieten negative Entwicklungstendenzen (Marzahn-Hellersdorf, Spandau) verstetigt und räumlich teilweise ausgeweitet. Diese, bereits im Monitoring 2008 benannten, fünf großen, zusammenhängenden Gebiete mit der höchsten Konzentration der problematischsten Gebiete bilden den Kern der von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abgegrenzten "Aktionsräume plus". Die östlichen Innenstadtgebiete hingegen haben sich weiter stabilisiert.

Die 5 Hauptproblemgebiete
Bei allen positiven Tendenzen zeigt das Monitoring auch deutlich, dass sich Arbeitslosigkeit und Armut in fünf größeren Gebieten ballen:

1. Wedding/Moabit,
2. Kreuzberg-Nordost,
3. Neukölln-Nord,
4. Spandau-Mitte,
5. Marzahn-Nord/-Hellersdorf-Nord.

Hier haben z. B. junge Menschen eingeschränkte Perspektiven, da die Kinderarmut höher ist als in der Gesamtstadt. In diesen fünf Bereichen, die jeweils die Dimension einer Großstadt haben und in denen 25% aller Berlinerinnen und Berliner leben, liegen die meisten Planungsräume der Stadt mit einem niedrigen Entwicklungsindex. Das heißt, dass dort die Problemdichte deutlich höher ist als in den übrigen Teilen der Stadt, und dass zudem die erwähnten Aufwärtsentwicklungen dort schwächer sind als in der Gesamtstadt.

Dennoch gibt es zwischen diesen Gebieten auch bemerkenswerte Unterschiede. Der größte Unterschied zeigt sich beim Status-Indikator 6 (Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit Migrationshintergrund in % der Einwohnerinnen und Einwohner unter 18 Jahren). Die innerstädtischen Altbaugebiete in Wedding/Moabit, Kreuzberg-Nordost und Neukölln-Nord liegen bei diesem Wert fast doppelt so hoch wie die Gesamtstadt. Während die Werte für Spandau-Mitte sich etwa auf Berliner Durchschnitts-Niveau bewegen, liegen sie in Nord-Marzahn/Nord-Hellersdorf nur halb so hoch. In Nord-Marzahn/Nord-Hellersdorf liegen die arbeitsmarktbezogenen Indikatoren-Werte Arbeitslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit und Dauerarbeitslosigkeit im Jahre 2008 am höchsten von allen fünf Gebieten. Die Jugendarbeitslosigkeit hat dort – im Gegensatz zur Gesamtstadt, wo sie abgenommen hat – sogar zugenommen; und die Kinderarmut ist schwächer zurückgegangen als im städtischen Durchschnitt. Nicht die Migrantenhaushalte sind hier Teil einer hohen Problemdichte, vielmehr scheinen deutsche Familien von der positiven Gesamtentwicklung der Stadt nicht zu profitieren.

Senatorin Junge-Reyer: „Wir nehmen die Empfehlungen unser Gutachter auf Basis der Monitoring-Ergebnisse sehr ernst. Deshalb entwickeln wir unsere bewährten Instrumente weiter: Wir legen Gebiete fest, die vorrangig gefördert werden. Die bereits laufenden Verfahren der Städtebauförderung wie z.B. Quartiersverfahren und Stadtumbau werden gebiets- und fachübergreifend stärker miteinander vernetzt. Angrenzende Kieze werden mit einbezogen und neue Partnerschaften unter den in den Gebieten tätigen Akteuren, wie Vereinen, Organisationen, dem Polizeirevier oder der religiösen Gemeinschaft und den Wohnungsbaugesellschaften mit den Bewohnerinnen und Bewohnern sollen angeregt werden. In diesen Aktionsräumen bedeutet dies eine noch intensivere Arbeit für einen besseren Zugang zu Bildung und Arbeit, um jungen Menschen neue Perspektiven zu eröffnen. Dass der Berliner Senat der Stabilisierung problematischer Gebiete absolute Priorität einräumt, schlägt sich auch im Haushalt nieder. Die bereits 2008 eingesetzten rund 30 Mio. € in den Gebieten der zukünftigen „Aktionsräume plus“ konnten 2009 – auch unter Nutzung von 8 Mio. € aus dem Konjunkturpaket – auf rund 50 Mio. € gesteigert werden. Auch in den Jahren 2010 und 2011 stehen jeweils pro Jahr - trotz knapper Kassen – 50 Mio. € zur Verfügung. Damit haben wir in den Jahren 2010 und 2011 jeweils 20 Mio. € mehr als im Jahr 2008.“

Die Kurzfassung des Gutachtens Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2009, die Karten sowie die tabellarische Übersicht über alle 447 Berliner Teilräume und ihre jeweilige Bewertung finden Sie im Internet unter:

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/basisdaten_stadtentwicklung/monitoring/de/2009/index.shtml

Weitere Informationen:

Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2009

http://www.tagesspiegel.de/berlin/Sozialpolitik-Problemkieze;art270,3008681

http://www.tagesspiegel.de/berlin/Studie-Stadtentwicklung;art270,3007693

http://www.tagesspiegel.de/berlin/Landespolitik-Stadtentwicklung;art124,3012239

http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/nur-die-arbeit-fehlt/

letzte Änderung am 30.01.2010